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In diesem Kapitel das als PDF-Datei zur Verfügung steht werden die Auswertungen von Konferenzprotokollen und weiterer schriftlicher Quellen präsentiert. Die Daten wurden vor dem Hintergrund des Konzepts mikropolitischer Handlungsschemata kategorisiert.
Zusammenfassung
Dieses Kapitel repräsentiert die abgeschlossene Ebene der Vergangenheit, d.h. des Entwicklungsprozesses der Comenius-Schule von 1979 bis 1993. Dieser Entwicklungsprozess weist, wie die Daten zeigen, eine hohe Komplexität auf. Der Sinn der Daten lässt sich durch Kontrastierung mit einem Theoriekonzept aufbrechen, durch welches sich das professionelle Handeln als auf eine Organisation bezogen und damit interessengeleitet und zielgerichtet interpretieren lässt. In der angelsächsischen Forschung wird hierfür der Begriff der "micropolitics" verwendet. Ich verwende dieses Konzept als theoretische Kontrastfigur.
Der Bearbeitung von abgeschlossenen Handlungen liegen als zeitliche Artefakte schriftliche Äußerungen wie Protokolle zu Grunde. Sie geben den Blick frei auf die äußere Hülle des Prozesses, auf die Ebene der verobjektivierten Information durch Zahlen sowie durch an Fremdadressaten gerichtete Protokolle von Lehrerkonferenzen. Auf dieser Prozessebene werden in einem ersten Schritt Rahmendaten wie Schüler(innen)zahlen, Schwankungen in der Größe des Lehrer(innen)kollegiums, Entwicklung der Altersstruktur und die von Schuljahr zu Schuljahr schwankende Anzahl der Zusammenkünfte der Lehrer(innen) auf Konferenzen ausgewertet.
Den Zahlen folgt die Auswertung der Protokolle von Lehrer(innen)konferenzen, über welche die zeitliche Linie der Entwicklung erkennbar wird. Es gibt verschiedene Phasen der professionellen Diskussion, wobei zunächst die Rahmenbedingungen der Arbeit im Mittelpunkt stehen. Diese Phasen der Verständigung über die Rahmenbedingungen der Arbeit werden abgelöst von intensiven Diskussionen über die Änderung der Beziehungsstruktur zwischen Lehrer(inne)n und Schüler(inne)n und damit auch der Lehrer(innen) untereinander. Eine Änderung der Beziehungsstruktur zielt auf die Verbesserung der Lernmöglichkeiten für die Schüler(innen) bedeutet aber gleichzeitig eine Änderung der Schulstruktur und hat Auswirkungen auf die Machtbalance innerhalb der Organisation Schule. Die angestrebte Team-Struktur des Lehrer(innen)kollegiums wird zum Teil aufgefasst als Dezentralisierung der Entscheidungen über die Art und Weise der Durchführung von Unterricht. So sieht die Schulleitung in dieser Phase ihre Einflussmöglichkeiten bedroht und befürchtet ein Auseinanderfallen des Lehrer(innen)kollegiums.
Die von einem Teil des Lehrer(innenkollegiums und von einem Teil der Schulleitung angestrebte Reform des Reformmodells Gesamtschule durch Umwandlung in ein Team-Modell bleibt für viele Lehrer(innen) unverständlich. Dadurch kommt es zu einer Frontbildung zwischen Lehrer(inne)n, die sich für die Team-Konzeption entschieden haben und denjenigen, die ihr skeptisch gegenüberstehen. Die Folge ist eine Arenadebatte über den einzuschlagenden Weg.
Die Aushandlungsprozesse untereinander stehen gleichzeitig unter Druck von außen durch Repräsentanten der Schulaufsichtsbehörde. Diese weisen auf ihre Zuständigkeit hin und auf die notwendige Einhaltung bestehender Regelungen wie Klassengrößen, Kursgrößen usw. Sie fordern die Berücksichtigung der Stundentafel, d.h. der zu erteilenden Stunden pro Fach, und sträuben sich gegen Stunden mit vorwiegend pädagogischer Zielsetzung.
Der Kompromiss, der schließlich gefunden wird, besteht in der Einrichtung von Gremien, in denen wichtige Entscheidungen für die Schulentwicklung vorbereitet werden.
Die Sinnebene dieses Kapitels besteht aus in Texte hinein konstruierten objektivierten Handlungen. Sie unterscheidet sich von den subjektiven Sinnebenen, wie sie in den folgenden beiden Kapiteln der Untersuchung zur Sprache kommen.
Inhalt Kapitel 2
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