|
In diesem Kapitel als PDF-Datei verfügbar werden die Ergebnisse der vorangegangenen Kapitel zusammen geführt. Die verschiedenen Sinnebenen werden nun trianguliert. Mit diesem aus der Geometrie stammenden Begriff ist gemeint, dass man einen Ort bestimmen kann, wenn man mindestens zwei Messpunkte kennt. In unserem Falle wird der Begriff metaphorisch verwendet und gibt an, dass das allen drei Sinnebenen Gemeinsame herausgefunden und kategorisiert werden soll.
Zusammenfassung
Die Hervorbringung von Sinn erfolgt in allen drei Kapiteln und auf allen drei Zeitebenen über Interaktionsprozesse, die wiederum vorhergegangene oder künftige Handlungen zur Grundlage haben. Die Kategorisierung des Gemeinsamen muss sich also auf Handlungen, geplante Handlungsabfolgen, misslungene Handlungen usw. in allen drei Zeitebenen beziehen. In den Blick gerät dabei ein sich über lange Zeit hinziehendes, bei unterschiedlichen Anlässen immer wieder neu aufflammendes komplexes Miteinander- und Gegeneinander-Handeln der Akteure in einem imaginierten Handlungsraum.
Dieser soziale Handlungsraum Schule ist Bezugsrahmen und zugleich Erinnerungsraum für die Akteure. Er existiert als Vorstellung von unterschiedlicher Intensität und von unterschiedlichem Charakter bei ihnen. Dieser Handlungsraum ist zeitlich gedehnt, umfasst die Erinnerungen und Empfindungen und ist Teil des Entwicklungsprozesses, den alle Akteure miteinander durchlaufen haben.
Daneben existiert eine schriftlich fixierte genaue Beschreibung dessen, was unter Schule zu verstehen ist. Es handelt sich um die abstrakt-formalen Ausführungen der Gesetzestexte, Erlasse und Verordnungen, in denen Handlungsanweisungen für Lehrer(innen) und Schüler(innen) zu Papier gebracht worden sind. Die Akteure sollen dazu bewegt werden, als Mitglieder einer Organisation, in diesem Falle der Schule, zu handeln. Bei diesen Handlungsaufträgen handelt es sich jedoch immer nur um Entwürfe, nicht um tatsächlich stattfindendes Handeln. Das professionelle Handeln der Lehrer(innen) orientiert sich an diesen schriftlichen Vorgaben, die keinen Erfahrungshorizont haben, die aber als Auftrag des – nur als Abstraktion existierenden staatlichen Machtapparates umzusetzen sind.
Das Gegeneinander- und Miteinander-Handeln der Akteure hat seine Ursachen in den natürlichen Grenzen, die für Interaktionen existieren und in den Grenzen, die durch den Organisationsentwurf Schule in den Planungsvorgaben aufgestellt werden. Die dadurch auftretenden Phänomene werden von mir "Grenzschwierigkeiten" genannt. Natürliche Grenzen werden durch den räumlichen und zeitlichen Aufbau der Lebenswelt gesetzt. Das sind zum einen räumliche Grenzen, d.h. auf Entfernungen basierende Differenzen bezüglich sozialer Erfahrungen in unterschiedlichen sozialen Räumen. Das sind zum anderen Zeitgrenzen, d.h. auf unterschiedlichem Lebensalter beruhende Differenzen von sinnlichen und intellektuellen Erfahrungen und von Wissen. Außerhalb des Individuums liegende Verstehensgrenzen werden künstlich aufgebaut durch die Vorgabe organisierten Handelns zur Umsetzung eines staatlichen Auftrages in der Schule, durch welche die Interaktion behindert oder gar unmöglich gemacht wird.
Der zur Aufrechterhaltung des Organisationszwecks ausgeübte Druck – untereinander und von außen – macht es schwer, in selbstreflexive Phasen einzutreten und zu neuen, ausgleichenden Beziehungsstrukturen zu finden.
Inhalt Kapitel 5 |