|
In diesem Kapitel als PDF-Datei verfügbar werden die Auswertungen der Interviewtexte vorgestellt. Kategorisierungen erfolgten vor dem Hintergrund des theoretischen Konzepts eines konjunktiven Erfahrungsraumes (Mannheim) des Lehrer(innen)kollegiums.
Zusammenfassung
In diesem Kapitel kommen die Akteure selbst zu Wort. In Einzelinterviews berichten Lehrer(innen) über ihre Arbeitssituation mit den Schüler(inne)n und wie sie die Zusammenarbeit mit anderen Lehrer(inne)n beurteilen. Sie gehen dabei zum Teil ausführlich auf die Geschichte dieser Beziehungen zu Lehrer(inne)n und Schüler(inne)n ein (Frau Kühnert). Die Vergangenheit ist in diesen Erzählungen nicht abgeschlossen, sie ist Teil der Gegenwart. Und sie ist Gegenstand einer berufsbiographischen Konstruktion, bei der immer das professionelle Handlungsfeld von Lehrer(inne)n als Interaktionsentwerfer(innen) bzw. -gestalter(innen) im Mittelpunkt steht.
Als theoretische Kontrastfigur fungiert Mannheims Konzept des konjunktiven Erfahrungsraumes. Mit Hilfe dieser Kontrastfigur lassen sich die individuellen Handlungskonzepte aufeinander beziehen und Gemeinsamkeiten feststellen. Es werden sechs von 23 durchgeführten Interviews genauer ausgewertet, wobei jeweils drei Kontrastpaare gebildet werden. Das erste Kontrastpaar besteht aus engagierten Lehrer(inne)n mit skeptischer bzw. positiver Haltung gegenüber der Reform der Reform durch das Team-Modell. Das zweite Kontrastpaar besteht aus führenden Mitgliedern von an der Comenius-Schule tätigen Gewerkschafts- oder gewerkschaftsähnlichen Gruppen (GEW, Frauengruppe). Das dritte Kontrastpaar besteht aus zwei Mitgliedern der Schulleitung.
Durch eine komparative Analyse wird der Blick auf die im Laufe der Zeit entstandenen gemeinsamen Handlungsmuster und auf die ihnen zu Grunde liegenden Wissensbestände gelenkt. Es lässt sich bei den engagierten Lehrer(inne)n eine Auskühlung der ursprünglichen professionellen Identität feststellen und ein Ausweichen auf taktische Konzepte der Imagepflege. Das ursprüngliche Bemühen um eine Verbesserung des Verhältnisses zu den Schüler(inne)n als Grund für die Weiterentwicklung ist verloren gegangen. Bei den mikropolitisch eingebundenen Lehrer(inne)n kreist das Denken um die Arena-Debatte der Weiterentwicklung und bei den Schulleitungsmitgliedern um kooperative und nicht-kooperative Leitungsstrategien.
Die gegenseitige Wahrnehmung wird bestimmt von einer mehr oder weniger großen Distanz zur subjektiven Geschichte, d.h. zur gemeinsam erlebten professionellen Geschichte. Diese Distanz nimmt zu, je bedeutsamer die ausgehandelte oder zugewiesene Position im mikropolitischen Kräftefeld der Organisation Schule ist. Damit korrespondiert eine Zunahme an abstrakter Denkweise. Der "konjunktive Erfahrungsraum" Schule wird von verschiedenen Perspektiven aus erlebt und hängt ab vom jeweiligen Gegenhorizont, der aufgespannt wird: Die engagierten Lehrer(innen) wählen die problematischen Schüler(innen), die mikropolitisch eingebundenen Lehrer(innen) abstrakte Vorstellungen zur Schulkonzeption und die Schulleitungsmitglieder die Problematik der richtigen Entscheidungsfindung als Gegenhorizont.
Konflikte zwischen Lehrer(inne)n und Schüler(inne)n, die auf Grund des Altersunterschieds zum Alltag gehören und die bei größer werdendem Altersabstand immer häufiger werden, werden bei allen Lehrer(inne)n mit abnehmender persönlicher Betroffenheit wahrgenommen.
Inhalt Kapitel 3 |