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In diesem Kapitel als Kompletttext als PDF-Datei verfügbar wird die Auswertung eines im Aktualtext transkribierten Mitschnitts einer Lehrer(innen)konferenz vorgestellt. Die Kategorisierungen erfolgten vor dem Hintergrund der Verlaufsfigur des sozialen Dramas (V. Turner).
Zusammenfassung
In diesem Kapitel ist keine zeitliche Distanz zum Geschehen vorhanden wie bei den schriftlichen Quellen. Es gibt auch keinen imaginierten oder konkreten Adressaten wie in den beiden vorangegangenen Kapiteln. Der Text spielt in der Gegenwart, es gibt Akteure, die sich sehen und die sich gegenseitig ansprechen. Es gibt einen konkreten Ort und einen Rahmen für die Handlung. Die Gegenhorizonte werden in der Debatte selbst erkennbar.
Auf der Lehrer(innen)konferenz wird ein Konflikt zwischen Lehrer(inne)n und Schüler(inne)nverhandelt. Im Verhandlungsablauf entfalten die Lehrer(innen) ihre Gegenhorizonte aus Professionstheorien und Handlungsstrategien, aus Vorstellungen über akzeptierte und nicht-akzeptierte Formen des Schüler(innen)handelns. Sie lassen dabei unbeabsichtigt ihre Vorstellungen über eigene mikropolitische Handlungsspielräume sichtbar werden. Bei der Entfaltung ihrer Ansichten werden die individuell unterschiedlichen Umgangsformen mit dem die Schule durchziehenden Generationenproblem erkennbar.
Die Lehrer(innen) entwickeln ihre Argumentation vor dem abstrakt-formalen, auf rechtlichen Konstruktionen beruhenden Organisationsmodell Schule und leiten daraus von ihnen selbst eingeübte professionelle Handlungsschemata ab. Sie versuchen sich gegenseitig vom Erfolg ihrer Handlungsstrategien zu überzeugen und tun dies vor der Folie dargestellter Schüler(innen)reaktionen.
Im Verlauf des Aushandlungsprozesses tragen sie ihre jeweils eigenen Ansichten über die richtige Vorgehensweise vor. Sie entwickeln dabei ihre Argumentation vor dem Gegenhorizont ihrer persönlichen Erfahrungen. Dabei wird deutlich, dass sich bei ihnen keine gemeinsamen Ziele heraus gebildet haben und ihnen das abstrakt-formalen Verfahren, auf das sie sich eingelassen haben, keine Sicherheit gibt. Die Verwaltungsvorschriften versagen vor der lebensweltlich geprägten, mangelnden Eindeutigkeit des Streitfalles.
Es handelt sich um einen Konflikt auf der Grenzlinie zwischen den Generationen. Der Generationenkonflikt wird in der Konferenz selber sichtbar. Die abstrakt-formale Konstruktion einer Lehrer(innen)konferenz sieht es vor, dass die Schüler(innen) nicht beteiligt sind. Sie symbolisiert selbst die Machtverhältnisse, die zu dem Konflikt geführt haben. Dadurch, dass die Lehrer(innen) dieses Problem offensichtlich nicht erkennen können, wird deutlich, dass sie ihr Handeln nicht in einem eigenen biographischen Zusammenhang sehen und der Konflikt der Anfangszeit um das Team-Modell bzw. um die Ziele von Unterricht verdrängt worden ist.
Es gelingt ihnen nicht, eine gemeinsame Strategie zur Stabilisierung ihrer Arbeit zu entwickeln.
Inhalt Kapitel 4 |